Daten & Fakten

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Leben in Deutschland – einige Zahlen

In Deutschland leben bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 83 Millionen zur Zeit ungefähr 11,9 Millionen Ausländer, etwas mehr als 2,5 Millionen davon in Nordrhein-Westfalen. Das sind laut Statistischem Landesamt „IT.NRW“ 10,7 Prozent mehr als noch im Jahr 2015 und gleichzeitig die höchste jemals ermittelte Zahl von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in NRW. Der Begriff Ausländer umfasst alle Personen, die sich in Deutschland aufhalten, jedoch keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Die Gründe für einen Aufenthalt in Deutschland sind vielfältig. Die Zahl derjenigen, die aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen, sozialen Unruhen und anderen, häufig lebensbedrohlichen Umständen in Deutschland Zuflucht suchen, war 2015 stark angestiegen – eine Konsequenz der vielen akuten Krisenherde auf der Welt. Mittlerweile kommen immer weniger Menschen nach Deutschland, doch ob das so anhält, weiß niemand zu sagen.

Blick zurück – von 2014 bis 2017

Im Jahr 2014 wurden 173.072 Asylerstanträge gestellt, das war der höchste Wert seit 1993 und der vierthöchste seit Bestehen der Bundesrepublik. 2016 erreichten die Zahlen einen vorläufigen Höchststand: Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben im vergangenen Jahr insgesamt 745.545 (2015: 476.649) Menschen in Deutschland Asyl beantragt. 722.370 waren Erst- und 23.175 Folgeanträge. Demgegenüber wurden 2015 insgesamt 476.649 Asylanträge gestellt, 441.899 Erst- und 34.750 Folgeanträge.

Die mit Abstand größte Anzahl von Asylsuchenden stammt bislang aus den Kriegsgebieten in Syrien. 2015  kamen allein 162.510 Asylbewerber/-innen aus Syrien. Auch 2016 stand Syrien mit 266.250 Erstanträgen (36,9 % aller Erstanträge) an erster Stelle. Sie stellten damit die größte Gruppe der Geflüchteten dar.

Insgesamt hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Jahr 2016 722.370 Erstanträge angenommen. 2015 wurden 441.899 Erstanträge gezählt. Das war ein Anstieg um 63,5 %. Im Jahr 2017 sah das schon wieder ganz anders aus.

Zahlen 2017

2017 wurden 198.317 Erstanträge vom Bundesamt entgegengenommen. Im Vergleich zum Vorjahr (2016: 722.370 Personen) sank dieser Wert um 72,5 %. Im Dezember 2017 lag die Zahl der angenommenen Erstanträge bei 12.487, im Vergleich zum Vormonat (November 2017: 16.468 Personen) sank dieser Wert um 24,2 %, im Vergleich zum Vorjahr (Dezember 2016: 18.968 Personen) ist das ein Rückgang um 34,2 %.

Syrien, der Irak und Afghanistan belegen 2017 Platz 1 bis 3 der Herkunftsländer

Nach Syrien (266.250 Erstanträge = 36,9 % aller Erstanträge) und Afghanistan (127.012 Erstanträge = 17,6 % aller Erstanträge) fanden sich der Irak (96.116 Erstanträge = 13,3 % aller Erstanträge) im Jahr 2016 auf Platz 3 der am stärksten vertretenen Herkunftsländer. Auf Platz 4 folgte Iran/Islamische Republik (26.426 Erstanträge – 3,7 %), auf Platz 5 lag Eritrea mit 18.854 Erstanträgen (2,6 %). Platz 7 der Tabelle nahm „ungeklärte Herkunft“ ein –  mit 14.659 Asylanträgen. 10.985 Menschen aus der Russischen Förderation (Platz 10) stellten 2016 einen Asylantrag.

Auch im Jahr 2017 bildeten Menschen aus Syrien mit 48.974 Erstanträgen (im Vorjahr 266.250 Erstanträge = -81,6 %) Platz 1 (24,7 %) der zugangsstärksten Herkunftsländer. Afghanistan auf Platz 3 (8,3 %) war mit 16.423 Erstanträgen vertreten. Im Vergleich zum Vorjahr (2016: Rang 2 mit 127.012 Erstanträgen) war das eine Verringerung von 87,1 %. Der Irak blieb seit Juni 2017 auf Platz 2 vertreten mit 21.930 Erstanträgen (11,1 %), im Vorjahr lag er auf Rang 3 mit 96.116 Erstanträgen (-77,2 %). Damit verteilte sich fast die Hälfte (44,0 %) aller 2017 gestellten Erstanträge auf diese ersten drei Staatsangehörigkeiten.

Fast die Hälfte (42,2 %) aller 2017 gestellten Erstanträge entfielen auf die Herkunftsländer Syrien (3.018 Erstanträge, 24,2 %), Irak (1.463 Erstanträge, 11,7 %) und Eritrea (794 Erstanträge, 6,4 %). Afghanistan mit 791 Erstanträgen (6,3 %) kam knapp auf Platz 4. Dahinter folgten Nigeria (632 Erstanträge, 5,1 %), Türkei (494 Erstanträge, 4,0 %) und Georgien (487 Erstanträge, 3,9 %).

Die Zahl der Asylbewerber aus der Türkei war unmittelbar nach dem gescheiterten Putschversuch im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Laut Medienbericht wurde jedoch der überwiegende Teil der Asylanträge türkischer Staatsbürger/-innen in Deutschland abgelehnt. Zu den Ablehnungsbegründungen äußert sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht.

Die Situation in Afghanistan ist höchst umstritten. Während die Bundesregierung grundsätzlich der Auffassung ist, Afghanistan sei zumindest in Teilen ein „sicheres Herkunftsland“ und abschieben lässt, schlägt ihr von Menschenrechtsorganisationen, aber auch einzelnen Bundesländern, z.B. Thüringen, heftige Kritik entgegen. Die Anschläge Ende Mai 2017 in Kabul führten zu einem Entscheidungsstopp des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge geführt, bis die Bundesregierung die Sicherheitslage neu eingeschätzt hat. Knapp 30.o00 Anträge lagen damit auf Eis. „Pro Asyl“ forderte, alle seit April 2016 abgelehnten Asylanträge neu zu bearbeiten. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei eine Verschärfung der Lage in Afghanistan festgestellt worden. Auf einen Zwischenbericht im Sommer 2017 hin, beließ es die Bundesregierung bei ihrer Praxis, Straftäter und sogenannte Gefährder weiterhin abzuschieben. Auch die freiwillige Rückkehr wird weiterhin gefördert.

Entgegennehmen und entscheiden

Die Zahl der Folgeanträge 2017 stieg gegenüber dem Vorjahreswert (23.175) um 5,1 %, es wurden 24.366 Folgeanträge gestellt. Insgesamt hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2017 222.683 Asylanträge entgegengenommen, im Vergleich zum Vorjahr (745.545) sind das 70,1 % weniger. Entschieden wurde 2017 über 603.428 Erst- und Folgeanträge: Afghanistan mit 115.537 Entscheidungen bei einer Gesamtschutzquote von 44,3 %, gefolgt von Syrien mit 99.527 Entscheidungen (Gesamtschutzquote: 91,5 %) und Irak mit 71.703 (Gesamtschutzquote: 56,1 %). Im Dezember 2017 wurden 1.806 Folgeanträge beim Bundesamt registriert. Im Vergleich zum Vormonat (2.243 Folgeanträge) sank die Zahl der Folgeanträge um 19,5 %, im Vergleich zum Dezember 2016 (1.607 Folgeanträge) ist ein Anstieg um 12,4 % festzustellen.

Die Zahl der Asylsuchenden aus den Balkanländern Albanien, Kosovo, Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro umfasste bereits im Januar 2016 nur noch ein Zwanzigstel aller Erstantragsteller (5,3 %, 2.674 Personen). Die Anzahl der Menschen, die aus den Balkanländern kommen, war mit 4,1 % aller Erstantragsteller (2.709 Personen) im Februar 2016 weiterhin rückläufig. Im Juli 2016 stammen 1,8 % der Erstantragsteller aus Albanien, weitere Balkanländer sind nicht mehr explizit verzeichnet. Das ist eine Folge des Asylgesetzes (Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz), das in zentralen Punkten seit dem 24.10.2015 in Kraft ist. In ihm werden Albanien, Kosovo und Montenegro nunmehr als sichere Herkunftsstaaten bezeichnet, um die Asylverfahren der Staatsangehörigen dieser Länder anzutreiben. Flüchtlingshilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbände kritisieren scharf, dass die Lage in diesen Ländern eine Einstufung als „sicherer Herkunftsstaat“ nicht rechtfertige.

Mehr als ein Drittel aller Folgeanträge im Dezember 2017  (36,8 %; 664 Folgeanträge) waren aus den Ländern der Balkanregion zu verzeichnen, davon 199 aus Serbien und 171 aus Mazedonien.

Ende Dezember 2017 ist die Zahl der anhängigen Erstverfahren (62.766 Personen) im Vergleich zum Vormonat (Stand 30.11.2017: 69.761 Personen) gesunken (-10,0 %, -6.995 Verfahren). Bei den anhängigen Erstverfahren sind die Herkunftsländer Syrien (11.776 Personen), Afghanistan (7.415 Personen) und der Irak (6.254 Personen) in den ersten Positionen vertreten. Die Zahl der anhängigen Folgeverfahren sank um 7,1 % (-420 Verfahren) von 5.899 Personen im November 2017 auf 5.479 Personen im Dezember 2017. Hier fallen in erster Linie die Herkunftsländer der Irak (505), Afghanistan (499) und Syrien (380) auf. Insgesamt waren am 31. Dezember 2017 Asylverfahren von 68.245 Personen noch nicht vom Bundesamt entschieden. 2017 wurden insgesamt 608.095 Bundesamtsentscheidungen (Summe der Entscheidungen über Erstanträge, Folgeanträge, Widerrufsprüfverfahren und Wiederaufnahmeverfahren) getroffen. Die überwiegende Zahl der Entscheidungen fiel bei Erstanträgen (564.181 Entscheidungen). Das bedeutet einen Rückgang um 13,1 % im Vergleich zum Vorjahr mit 699.908 Entscheidungen.

Im Dezember 2017 entschied das Bundesamt in Asylverfahren von 25.414 Personen (22.736 Erst- und 2.678 Folgeanträge). Die meisten Entscheidungen wurden dabei für Syrien (3.930), Afghanistan (3.491) und den Irak (2.292) getroffen. Die Gesamtschutzquote für alle Herkunftsländer (Rechtsstellung eines Geflüchteten nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiärer Schutz gemäß § 4 Abs. 1 AsylG und Abschiebungsverbot gem § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG) lag im Dezember bei 37,0 Prozent. Das sind 9.408 positive Entscheidungen von insgesamt 25.414.

2017 erhielten 123.909 Personen die Rechtsstellung als Geflüchtete (gem. Art. 16a GG und § 3 Abs.1 AsylG), davon 34.880 Personen aus Syrien (28,1 %) und 24.320 aus dem Irak (19,6 %). Die größte Zahl von Abschiebungsverboten gemäß § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG wurde bei Antragstellern aus Afghanistan (26.345) festgestellt.

Der Vergleich der Entscheidungszahlen unter den Top-Ten-Herkunftsländern 2017 belegt einen höheren Anteil an positiven Entscheidungen (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft gem. Art. 16a GG und § 3 Abs. 1 AsylG, Gewährung von subsidiärem Schutz gem. § 4 Abs. 1 AsylG und Feststellung eines Abschiebungsverbotes gemäß § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG) bei Syrien (91,5 %, 91.111 positive Entscheidungen von insgesamt 99.527), Eritrea (82,9 %, 18.163 positive Entscheidungen von insgesamt 21.909), Somalia (60,8 %, 11.402 positive Entscheidungen von 18.746) und dem Irak (56,1 %, 40.257 positive Entscheidungen von insgesamt 71.703).

Aktuelles aus 2018

Das Bundesamt hat im März 10.712 Erstanträge entgegengenommen. Gegenüber dem Vormonat (Februar 2018 = 10.760) sank der Wert leicht um 0,4 %. Im Vorjahr (März 2017) wares es 18.081 Erstanträge, das bedeutet einen Rückgang der Antragszahlen um 40,8 %. Die meisten Erstanträge stammen aus den drei Ländern Syrien (2.039 Erstanträge = 19,0 %), Nigeria (914 Erstanträge = 8,5 %) und Irak (876 Erstanträge = 8,2 %). Etwas mehr als ein Drittel (genau: 35,7 %) aller im März 2018 gestellten Erstanträge entfallen auf diese drei Staatsangehörigkeiten.

Der Vorjahresvergleich der Folgeanträge zeigt einen Rückgang um 7,1. %: Wurden im März 2018 lediglich 1.910 Folgeanträge registriert, waren es im März 2017 noch 2.055. Die meisten Folgeanträge im März 2018 stammen aus den Ländern Afghanistan (179) , Serbien (149) und Syrien (138).

Insgesamt hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 46.826 Asylanträge im ersten Quartal 2018 entgegengenommen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (60.157 Asylanträge) ist das ein Rückgang um 22,2 %.

Verteilung innerhalb von Deutschland

Weltweit sind rund 64 Millionen Menschen auf der Flucht. Kanpp 890.000 Menschen wurden dabei 2015 in Deutschland als Schutzsuchende erfasst, 2016 waren es laut EASY-System (IT-Anwendung zur Erstverteilung Asylbegehrender auf die Bundesländer) 321.000 Geflüchtete. Mehr als ein Drittel der Schutzsuchenden ist weiblich. Rund 36 % sind minderjährig, darunter viele Kinder unter 12 Jahren.

Auf europäischer Ebene wird aktuell scharf über einen gerechten Schlüssel zur Unterbringung von Geflüchteten und Asylsuchenden diskutiert. In Deutschland existiert ein solcher Schlüssel, nach dem die eintreffenden Asylsuchenden auf die Bundesländer verteilt werden – der sogenannte Königsteiner Schlüssel. Die Verteilungsquoten werden jedes Jahr beruhend auf den aktuellen Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl neu berechnet. Für NRW liegt die Verteilungsquote für 2017 bei 21,14 %. Darauf folgt Bayern mit 15,53 %, Baden-Württemberg mit 12,96 % und Hessen mit 7,4 %. Für Thüringen lautet die Quote 2,69 %, das Saarland hat die geringste Aufnahmequote mit 1,22 %. Die Quoten für 2018 sind aktuell (Stand: März 2018) noch nicht veröffentlicht.

Unterbringung als Verwaltungsakt

Die Geflüchteten haben bei der Wahl des Unterbringungsortes und der -form kein Mitspracherecht. Die Aufnahme und Verteilung ist ein Verwaltungsakt, der sich an den vorgegebenen Quoten orientiert. Zunächst erfolgt die Unterbringung in sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen bzw. Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE), in denen Asylsuchende nach der gesetzlichen Vorgabe bis zu drei Monaten verpflichtend bleiben. Diese Einrichtungen werden vom Land betrieben. Danach erfolgt – auf der Grundlage einer Quotenregelung, die sich im wesentlichen an der Bevölkerungsstärke orientiert– die Zuweisung an die einzelnen Kommunen, die nun für die Unterbringung verantwortlich sind.

Laut Asylverfahrensgesetz (AsylVfG) sollen Asylbewerber, die nicht mehr in den Aufnahmeeinrichtungen verbleiben müssen, „in der Regel in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden“, § 53 (1). Allerdings ist diese Vorgabe nicht verpflichtend, da sowohl „das öffentliche Interesse als auch Belange des Ausländers“ (ebd.) berücksichtigt werden sollen. Deutschlandweit werden etwa die Hälfte aller Asylbewerber und Geduldeten nach dem Verlassen der Erstaufnahmeeinrichtungen nicht in Gemeinschaftsunterkünften, sondern in Wohnungen untergebracht. Die Zahlen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern stark – NRW liegt mit einer Quote von rund 50 % im Durchschnitt.

Mindeststandards bei der Unterbringung?

Welche Qualitätsstandards eine Unterbringung für Asylsuchende und Geflüchtete erfüllen muss, ist nicht einheitlich geregelt. So sind z.B. Größe, Beschaffenheit oder Ausstattung der Erstaufnahmeeinrichtung nicht im AsylVfG festgelegt. Die Regelungen auf Länderebene variieren. In vielen Bundesländern fehlen Vorgaben für Mindeststandards oder es handelt sich nur um Empfehlungen.

Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften führt für die Geflüchteten generell zum Verlust der Privatsphäre. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen die Unterkünfte von nicht-staatlichen Organisationen betrieben werden, ohne dass eine ausreichende Kontrolle sichergestellt ist.

Pro Asyl kommt in einer umfassenden Studie zur Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland zu dem Schluss, dass „in allen Bundesländern Defizite bestehen. So gibt es in keinem Bundesland eine systematische, gesetzlich geregelte Heimaufsicht oder ein Zertifizierungssystem, wie wir es etwa aus dem Bereich der Pflege- oder Kinderheime kennen.“

Asyl: Verfahren und Entscheidung

  • Als erster Schritt in einem Asylverfahren werden in der Erstaufnahmeeinrichtung die Personendaten erfasst und der/die Bewerber_in erhält eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung.
  • Im zweiten Schritt kann der Asylantrag bei einer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt werden. Dafür ist es nötig, dass der/die Antragsteller_in persönlich erscheint.

Das BAMF entscheidet nach Eingang eines Asylantrages zunächst, ob überhaupt ein Asylverfahren durchgeführt wird. Ein großer Teil der Asylanträge wird gar nicht inhaltlich geprüft, z.B. weil ein anderer europäischer Staat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist. Erfolgt eine inhaltliche Begutachtung, wird geprüft, ob es sich um eine staatliche Verfolgung handelt – laut Artikel 16a des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland genießen nur politisch Verfolgte Asyl. Allgemeine Notsituationen wie Armut, Bürgerkriege, Naturkatastrophen oder Perspektivlosigkeit sind keine zulässigen Gründe für die Gewährung von Asyl. Ebenfalls ausgeschlossen ist die Anerkennung als Asylberechtige/Asylberechtiger bei einer Einreise über einen als sicher eingestuften Drittstaat.

Der Flyer „Erstorientierung für Asylsuchende“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) soll Geflüchteten und ehrenamtlich Engagierten einen ersten Leitfaden für das Leben in Deutschland liefern. Er zeigt etwa schrittweise die wichtigsten Stationen im Ablauf des Asylverfahrens, die ein Asylsuchender unbedingt durchlaufen muss. Der Flyer steht auf Deutsch, Englisch und in den Sprachen Arabisch, Dari, Farsi und Tigrinya zum Download zur Verfügung.

Ende März 2018 ist die Zahl der anhängigen Erstverfahren (47.607 Personen) im Vergleich zum Vormonat (Stand 28.02.2018: 50.792 Personen) gesunken (-6,3 %, -3.185 Verfahren). Bei den anhängigen Erstverfahren sind die Herkunftsländer Syrien (11.986 Personen),  Irak  (5.315 Personen) und Afghanistan (3.854 Personen) in den ersten Positionen vertreten. Die Zahl der anhängigen Folgeverfahren sank um 2,8 % (-126 Verfahren) von 4.487 Personen im Februar 2018 auf 4.361 Personen im März 2018. Hier fallen in erster Linie die Herkunftsländer Afghanistan (422), der Irak (382) und die Russische Föderation (293) auf. Insgesamt waren am 31.März 2018 Asylverfahren von 51.968 Personen noch nicht vom Bundesamt entschieden. 2018 wurden im ersten Quartal insgesamt 90.964 Bundesamtsentscheidungen (Summe der Entscheidungen über Erstanträge, Folgeanträge, Widerrufsprüfverfahren und Wiederaufnahmeverfahren) getroffen. Im Vergleich zum Vorjahr (223.609) hat sich die Zahl der Entscheidungen um 59,3 % verringert. Die überwiegende Zahl der Entscheidungen fiel bei Erstanträgen (64.592 Entscheidungen = 71,0 %).

Die Anerkennungsquote durch das BAMF ist relativ gering: In 2017 wurden im Schnitt 0,7 % der Asylsuchenden vom BAMF als Asylberechtigte und rund 20,5 % als Flüchtlinge anerkannt. Beide Personengruppen erhalten zunächst ein auf drei Jahre befristetes Aufenthaltsrecht. Erst danach entscheidet sich, ob sie dauerhaft bleiben dürfen. Es gibt darüber hinaus Gründe, warum Asylsuchende nicht ausgewiesen bzw. geduldet werden. Darunter fallen alle diejenigen, die nicht als Flüchtlinge anerkannt, aber trotzdem als schutzbedürftig eingestuft werden, weil ihnen in ihrem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht (subsidiärer Schutz).

Übersicht über die Schutzoptionen
Grafik Schutzoptionen

Entschieden wurden im März 2018 Asylverfahren von 36.183 Personen (20.020 Erst- und 2.694 Folgeanträge). Die meisten Entscheidungen entfielen auf Syrien (4.019), Afghanistan (2.147) und den Irak (2.124). Im März 2018 lag die Gesamtschutzquote für alle Staatsangehörigkeiten (Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiärer Schutz gemäß § 4 Abs. 1 AsylG und Abschiebungsverbot gem. § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG) bei 30,5 % (6.936 positive Entscheidungen von insgesamt 22.714).

2018 erhielten bislang 11.437 Personen die Rechtsstellung als Geflüchtete (gem. Art. 16a GG und § 3 Abs.1 AsylG), davon 3.519 Menschen aus Syrien (30,8 %) sowie 1.131 Personen (9,9 %) aus dem Irak und 1.103 aus der Türkei (9.6 %). Die größte Zahl von Abschiebungsverboten gemäß § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG wurde bei Antragstellern aus Afghanistan (1.630) festgestellt.

Der Vergleich der Entscheidungszahlen unter den Top-Ten-Herkunftsländern im bisherigen Jahr 2018 belegt einen höheren Anteil an positiven Entscheidungen (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft gem. Art. 16a GG und § 3 Abs. 1 AsylG, Gewährung von subsidiärem Schutz gem. § 4 Abs. 1 AsylG und Feststellung eines Abschiebungsverbotes gemäß § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG) bei Eritrea (77,7 %, 1.967 positive Entscheidungen von insgesamt 2.530, Syrien (77,0 %, 8.858 positive Entscheidungen von insgesamt 11.503), Somali (47,2 %, 1.364 positive Entscheidungen von insgesamt 2.887) und der Türkei (42,8 %, 1.148 positive Entscheidungen von 2.682).

Ausführliche Informationen können Sie dem Asylgeschäftsbericht März 2018 entnehmen.